Max (Joe Fenner) und Margot (Cornelia Montani) überlegen, ob sie mit ihren Freunden nach Dubai reisen.
(Bild: Regina Jäger)
Was wird aus der Liebe, wenn man nicht mehr verliebt ist? Die neue Produktion „Max und Margot verreisen“ zeigt es in der Theaterwerkstatt Gleis 5 auf einfühlsame Weise.
Ob es wohl vierblättrige Kleeblätter gibt auf den Wiesen rund um die Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld? Wahrscheinlich. Sicherlich. Und ganz bestimmt werden auch sie mit Begeisterung gefunden, gepflückt und vielleicht gepresst und aufgehoben. Steht doch der kleine grüne Klee für Glück und das kann man schliesslich immer gut brauchen.
Ein Glück ist es auch, wenn man Freunde hat. Sich womöglich zu einem menschlichen Kleeblatt zusammengefunden hat und als Vierer-Clique fast schon für unbesiegbar hält, aber mindestens für glücklich. So empfanden es auch die vier jungen Männer, Max, Rene, Richard und Frank, die Freunde wurden und später gemeinsam mit ihren Frauen Ausflüge unternahmen.
„Weisst du noch, wie wir mit dem Kanu Touren auf dem Bodensee machten, wir fühlten uns frei und übermütig“, spricht Max seine Frau Margot an, die nickt. „Daraus wurden dann im Laufe der Jahre eher Rommeé Abende und Weinproben.“ Doch nun steht eine gemeinsame Reise mit den Freunden nach Dubai an und beide müssen sich für sich allein und gemeinsam nicht nur für oder gegen diese Reise entscheiden...
Ein Stück so pur wie das echte Leben
Doch bevor es zur Entscheidung kommt, stellen sich beide im Theaterstück „Max und Margot verreisen“ zunächst vor. Er sei pensionierter Architekt, unterbricht Max die Rede seiner Frau und wird von ihr höflich ermahnt, so dass sie von ihrem eigenen Bistro erzählen kann, das sie seit ein paar Jahren führt.
Gemeinsam erwähnen sie ihren Hund Bobby, der von Margot aus einer Laune heraus gewünscht und von ihrem Mann, den sie zuweilen „Glücklichmacher“ nennt, besorgt wurde. „Er war der einzige Hund im Tierheim, dem es egal zu sein schien, ob ihn jemand abholt oder nicht. Den mochte ich“, so Max und Margot erinnert sich an ihre erste Reaktion. „Mei, ist der hässlich!“ Dennoch haben er und die vielen Auszeit Gassi Runden wohl auch dazu beigetragen, dass das Paar noch zusammenlebt, dabei meistens glücklich und in der nun schon rund 40jährigen Ehe verbunden ist.
„Max und Margot verreisen“ ist ein wunderbar leises und ruhiges Stück, es ist eine Liebeserklärung an das Leben, ohne dabei rührselig zu sein. Da spielen zwei Menschen auf einer Bühne das Leben nach, in kleinen Sequenzen, die manchmal heiter und zuweilen traurig sind. Jedoch nie dramatisch oder überzogen.
Max erinnert sich an seine drei Freunde Frank, Richard und Rene, die zusammen wie ein Kleeblatt waren.
(Bild: Regina Jäger)
Gemeinsam oder einsam?
Die Bühne besteht lediglich aus einem Tisch und zwei Stühlen. Keine zusätzlichen Requisiten,
keine Musik, keine Lichtexperimente, so wie das echte Leben auch oft keinen zusätzlichen
Schnickschnack bereithält, sondern oft gnadenlos pur daherkommt.
Max, gespielt von Joe Fenner und Margot, gespielt von Cornelia Montani, brauchen auch nicht
mehr als sich selbst auf dieser Bühne. Es ist ihre Sprache und ihre Präsenz, die über 80 Minuten
lang ausreicht, um das Publikum spannend zu unterhalten. Dabei springen beide in der gemeinsamen
Vergangenheit hin und her und geben uns wortreich sowohl Einblicke in ihr gemeinsames Leben als
auch in ihre innersten Gedanken und Gefühle.
Bin das ich? Wie das Stück dem Publikum den Spiegel vorhält
Zusätzlich halten sie zuweilen dem Publikum den Spiegel vor, indem sie typische Paardynamiken
vorleben. „Jetzt lass uns noch ein letztes Mal mit unseren Freunden einen gemeinsamen Ausflug machen“,
fordert Margot, obwohl sie selbst keine Lust auf Indoor-Skifahren und 75 Stockwerke hat.
Max antwortet, dass für ihn Dubai ein Albtraum und keine Stadt sei, „es reicht mir schon, was ich
auf google maps sehe“.
Doch würde er ihr zuliebe den Irrsinn mitmachen. Beide sind sich schliesslich einig, dass sie
eigentlich alt genug seien, um richtige Entscheidungen zu treffen. Das Schlussbild mit einer
Umarmung der beiden klingt danach, wobei offenbleibt, wofür oder wogegen sie sich schlussendlich
entschieden haben.
Margot hat vor Jahren die Mutprobe gemacht und ein eigenes Bistro eröffnet. (Bild: Regina Jäger)
Das Männerkleeblatt und die Mutprobe
Dabei ist der Ausgang der Geschichte ohnehin zweitrangig, das Stück lebt von kleinen Sequenzen,
die eingestreut werden. Wie zum Beispiel, als Margot französische Chansons anstimmt, in die Max
gern einstimmen würde, oder wie Max und Margot das sich ständig streitende Freundes-Pärchen Rene
und Rita imitieren oder sich an ihre eigenen Sehnsüchte und kurze Verliebtheiten erinnern im
festen Glauben, dass der andere davon keine Ahnung hat; was nicht stimmt.
Das Männerkleeblatt hat vor ein paar Jahren ein Pärchen, Frank und dessen Frau, durch einen
sinnlosen Autounfall verloren. Ein weiterer Freund, Richard, hat seine Frau gegen eine jüngere
ausgetauscht. Damit verlor sich scheinbar auch das Glück, das sie in der ursprünglichen Gemeinschaft
als Viererfreunde spürten und will sich in der neuen Konstellation nicht mehr so recht einstellen.
Aus einer Mutprobe entstand einst Margots Bistro, nun stehen neue an. Welche das sind, kann man
am nächsten Wochenende in der Theaterwerkstatt Gleis 5 erleben. Dabei lachen und mitfühlen, unter
anderem beim Versuch einander Komplimente zu machen. „Ich fühle mich mittlerweile wie ein altes,
plumpes Nilpferd“, sagt Margot mehr zu sich selbst und Max kommentiert, „Naja, alt bist du nicht!“
Autorin: Jana Mantel